Sportwetten-Skandal um Basketballer Jontay Porter weitet sich aus – Ermittlungen in NBA und College-Liga
Im amerikanischen Basketball entwickelt sich ein großer Wettskandal. Sowohl in der National Basketball Association (NBA) als auch im College-Sport soll ein Wettring Spiele manipuliert haben. Auch Spieler wie Jontay Porter und Terry Rozier seien in den Fall verwickelt.
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In der NBA entwickelt sich ein Wettskandal. © uhlsport GmbH/wikipedia
Auch College-Basketball betroffen?
Die Ermittlungen zum Wettskandal um den ehemaligen US-amerikanischen NBA-Spieler Jontay Porter (25) ziehen immer weitere Kreise. Nachdem er von der NBA nach seinem Schuldbekenntnis wegen Verschwörung zum Betrug schon lebenslang gesperrt worden sei, würden die Behörden nun auch wegen möglichen Wettbetrugs im Zusammenhang mit mindestens neun College-Basketballspiele der letzten zwei Saisons ermitteln. So berichtet unter anderem die Daily Mail [Link auf Englisch].
Die Bundesbehörden und die National Collegiate Athletic Association (NCAA) würden demnach auffällige Wettmuster prüfen, die auf Spielmanipulationen hindeuten könnten. Neue Beweise würden darauf hindeuten, dass das kriminelle Wettkartell systematisch Spieler beeinflusst haben könnte, um diese zur Manipulation von Spielen zu bewegen. Im Fokus stünden bislang die Teams von Temple, North Carolina A&T und Eastern Michigan. Die Liste der betroffenen Hochschulen könne aber noch weiter wachsen.
Ungewöhnliche Wettbewegungen bei Temple-Spielen
Mehrere Temple-Spiele im Jahr 2024 seien ins Visier der Ermittler geraten, da auffällig große Summen auf Halbzeit-Ergebnisse gesetzt worden seien. Integrity Compliance 360, eine Überwachungsfirma, habe Alarm geschlagen, als bei einem Spiel gegen Alabama-Birmingham außergewöhnliche Wettbewegungen aufgefallen waren.
Besonders brisant: Temple-Starspieler Hysier Miller sei inzwischen von seinem neuen Team Virginia Tech entlassen worden, nachdem seine Leistungen untersucht worden seien. Die Ermittler würden demnach vermuten, dass Miller bewusst schlechte erste Halbzeiten spielte, bevor er in den zweiten Hälften wieder volles Engagement zeigte.
Shane Hennen als mutmaßlicher Drahtzieher
Als Kopf des groß angelegten Wettbetrugs sei laut New York Post [Link auf Englisch] der wegen diverser Delikte vorbestrafte Kriminelle Shane Hennen identifiziert worden. Er soll mit seinem Wettkartell Millionenbeträge durch betrügerische Wetten erbeutet haben. Dafür soll er mit einem Netzwerk aus Stroh-Wettern und Mittelsmännern gearbeitet und so große Summen unauffällig platziert haben.
Die größten Skandale in der Geschichte der NBA
Wie praktisch jede andere große Sportliga blieb auch die NBA in ihrer langjährigen Geschichte nicht von aufsehenerregenden Skandalen verschont.
Tim Donaghy (2007) – Der Schiedsrichter-Wettskandal
Einer der größten Skandale der NBA kam 2007 ans Licht, als bekannt wurde, dass der NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy Spiele manipuliert hatte, um Wettgewinne für sich und eine kriminelle Wettbande zu sichern. Donaghy gab zu, Informationen über Spieler und Schiedsrichter weitergegeben zu haben und wurde zu 15 Monaten Haft verurteilt.
Latrell Sprewell (1997) – Angriff auf den eigenen Coach
In einer der berüchtigtsten Aktionen der NBA-Geschichte würgte Latrell Sprewell während eines Trainings seinen Trainer P.J. Carlesimo und drohte, ihn zu töten. Die Golden State Warriors kündigten seinen Vertrag sofort, und die Liga sperrte ihn für ein Jahr. Trotz des Skandals konnte Sprewell seine Karriere später noch erfolgreich fortsetzen.
Malice at the Palace (2004) – Die größte Prügelei der NBA-Geschichte
Beim Spiel zwischen den Indiana Pacers und den Detroit Pistons eskalierte am 19. November 2004 eine Auseinandersetzung zwischen Spielern und Fans. Ron Artest, Stephen Jackson und Ben Wallace waren in eine Massenprügelei verwickelt, die bis in die Zuschauerränge reichte. Artest erhielt eine Sperre von 86 Spielen, die längste Nicht-Doping-Sperre der NBA-Geschichte.
Donald Sterling (2014) – Der Rassismus-Skandal
Der ehemalige Eigentümer der Los Angeles Clippers, Donald Sterling, wurde 2014 lebenslang aus der NBA verbannt, nachdem Tonaufnahmen aufgetaucht waren, in denen er rassistische Äußerungen machte. NBA-Commissioner Adam Silver verhängte die drastische Strafe und zwang Sterling zum Verkauf des Teams.
Magic Johnson (1991) – Der HIV-Schock
Als Magic Johnson 1991 verkündete, dass er HIV-positiv sei und sofort vom Basketball zurücktreten werde, erschütterte dies die gesamte Sportwelt. Damals galt HIV noch als Todesurteil – Johnson wurde aber zum Vorreiter für Aufklärung und Forschung. Jahre später kehrte er für das NBA All-Star Game 1992 zurück und wurde MVP.
Hennen sei im Januar verhaftet worden, als er mit einem One-Way-Ticket nach Kolumbien zu fliehen versuchte. Laut Gerichtsakten existiere eine überwältigende Beweislage gegen Hennen, darunter Telefon- und Finanztransaktionen sowie Zeugenaussagen. Der Angeklagte habe mindestens zwei Delikte begangen: Verschwörung zum Betrug und Geldwäsche. Mehrere Mitverschwörer, darunter Timothy McCormack, Mahmud Mollah und Long Phi Pham, hätten sich bereits schuldig bekannt. Weitere Verdächtige, darunter Marves Fairley, könnten noch angeklagt werden.
Ermittlungen gegen NBA-Spieler Terry Rozier
Neben Porter sei mittlerweile auch Miami-Heat-Spieler Terry Rozier ins Visier der Ermittler geraten. Er soll möglicherweise absichtlich seine Leistung in einem Spiel im März 2023 manipuliert haben, um hohe Wettgewinne zu ermöglichen. Die NBA habe erklärt, dass sie den Vorfall bereits untersucht habe, aber keine Regelverstöße feststellen konnte. Dennoch würden die US-Behörden ihre Ermittlungen fortsetzen, da es Vermutungen gäbe, dass der Fall mit Hennens Wettring zusammenhängen könnte.
Im März 2023 wurde die NBA auf ungewöhnliche Wettaktivitäten im Zusammenhang mit der Leistung von Terry Rozier in einem Spiel zwischen Charlotte und New Orleans aufmerksam gemacht. Die Liga führte eine Untersuchung durch und konnte keinen Verstoß gegen die NBA-Regeln feststellen. Wir wissen jetzt von einer Untersuchung der US-Staatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von New York in dieser Angelegenheit und haben mit dieser Untersuchung kooperiert.”–Mike Bass, Sprecher der NBA, New York Post
Laut der Meinungen einiger Experten könnte der Skandal sich zu einer der größten Wettsport-Affären in der Geschichte des amerikanischen Sports entwickeln. Das gesamte Ausmaß des Betrugs könnte demnach weit über die bislang bekannten Fälle hinausreichen.