Illegale Glücksspielwerbung: Türkischer Pop-Star Serdar Ortaç zu Bewährungsstrafe von 10 Monaten verurteilt

Im vergangenen November wurde der türkische Sänger Serdar Ortaç, 55, festgenommen. Die Behörden warfen ihm illegale Glücksspielwerbung vor. Jetzt ist das Urteil gefällt worden.

Aufnahme von Istanbul, Türkei.

Der türkische Sänger Serdar Ortaç ist wegen illegaler Glücksspielwerbung verurteilt worden (Symbolbild). ©Smuldur/pixabay.com

10 Monate auf Bewährung und niedrige Geldstrafe

Die Zeitung Türkiye Today [Link auf Englisch] berichtet, dass Ortaç gestern, am 25. Februar 2025, wegen illegaler Glücksspielwerbung von einem Istanbuler Gericht zu einer Haftstrafe von 10 Monaten verurteilt worden sei. Die Strafe werde jedoch zur Bewährung ausgesetzt und Ortaç müsse nicht ins Gefängnis.

Gleichzeitig habe das Gericht ihm eine Strafzahlung von 400 TRY (ca. 10,45 EUR) auferlegt. Die gerichtlichen Kontrollmaßnahmen, die Ortaç nach seiner Verhaftung auferlegt wurden, seien aufgehoben worden.

Die Staatsanwaltschaft habe eine deutlich höhere Strafe gefordert. Sie hatte Ortaç wegen Förderung und Werbung für illegale Wetten angeklagt und ein Strafmaß von bis zu drei Jahren gefordert.

Serdar Ortaç gilt als einer der bekanntesten Sänger, Songwriter und Komponisten der Türkei. Seine Festnahme sowie seine Verurteilung sorgen für viel Interesse in den türkischen Medien.

Behörden gehen gegen illegale Glücksspielwerbung vor

Ortaç wurde im November 2024 im Rahmen einer großangelegten Durchsuchung von der türkischen Polizei festgenommen. Ihm und weiteren Prominenten, darunter Influencern und Fußballspielern, wurde vorgeworfen, illegale Glücksspiel- und Sportwettenseiten beworben zu haben. Insgesamt habe es 21 Festnahmen gegeben.

In der Türkei gelten strenge Glücksspielgesetze – nicht-staatliches Online-Glücksspiel ist seit dem Jahr 2006 verboten. Terrestrische Casinos sind komplett verboten. Es gibt lediglich eine staatliche Lotterie und einige staatliche Anbieter von Sportwetten.

Die türkischen Behörden gehen seit einigen Monaten verstärkt gegen illegale Glücksspielwerbung vor und scheinen dabei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Fokus zu haben. Dies betreffe insbesondere Personen mit einer großen Community in den sozialen Medien, die ein großes Publikum erreichen könnten.

Es ist keine Seltenheit, dass Influencer wegen illegaler Glücksspielwerbung bestraft werden. In den Niederlanden hat die Glücksspielbehörde im vergangenen August zwei YouTube-Influencer wegen Werbung für illegale Glücksspielanbieter abgemahnt. In Schweden gab es zudem Untersuchungen gegen mehrere Twitch-Streamer, die illegale Casinos beworben haben sollen.

Auch in Deutschland hat es in der Vergangenheit aufsehenerregende Ermittlungen in Zusammenhang mit illegaler Glücksspielwerbung gegeben. So wurde der bekannte YouTuber Ron Bielecki, 26, zu einer Geldstrafe von 480.000 EUR verurteilt, da er an illegalem Glücksspiel teilgenommen und einen illegalen Anbieter beworben haben soll.

Türkischer DJ und Influencer soll Glücksspiel in Malta beworben haben

Aufnahme von Kerimcan Durmaz bei einem Auftritt.

Laut Durmaz sei die illegale Glücksspielwerbung vom Veranstalter eingeblendet worden. © Wikipedia

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass auch der türkische DJ und Influencer Kerimcan Durmaz, 30, in illegale Glücksspielwerbung verwickelt sein soll. Wie die Zeitung Times of Malta [Link auf Englisch] berichtet, sei Durmaz im Januar nach einem Auftritt in Malta festgenommen worden.

Durmaz habe einen Auftritt in einem Club in Malta gehabt. Während seiner Performance sei auf einem Bildschirm hinter ihm Glücksspielwerbung eingeblendet worden. Es heißt, es seien die Namen verschiedener Sportwetten-Anbieter sowie animierte Poker Chips zu sehen gewesen.

Schnell sollen Mitschnitte des Auftrittes in den sozialen Medien veröffentlicht worden sein, wodurch die Behörden auf Durmaz aufmerksam gemacht worden seien. Laut Durmaz sei die Glücksspielwerbung ohne sein Wissen abgespielt worden und er sei unschuldig.

Da Durmaz mehr als 3,8 Millionen Follower bei Instagram hat, sollen die Behörden eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren fordern. Sie sollen Durmaz vorwerfen, mit der Glücksspielwerbung ein großes Publikum erreicht zu haben.

Cybercrime-Einheit nimmt Influencer ins Visier

Wie ernst die türkischen Behörden das Thema illegale Glücksspielwerbung nehmen, zeigt ein Fall aus dem Dezember 2024. Der türkische Innenminister Ali Yerlikaya, 56, gab bekannt, dass im Rahmen einer Sonderoperation 27 Personen festgenommen worden seien [Link auf Englisch].

Eine Cybercrime-Einheit habe mehr als vier Monate an der Operation gearbeitet. Die Einheit habe gezielt Influencer ins Visier genommen, die illegale Sportwetten und Glücksspiel beworben haben sollen. Der Innenminister habe klargestellt, dass illegale Wetten die Zukunft der Gesellschaft bedrohen würden.

Die türkischen Behörden scheinen weiterhin einen harten Kurs gegen Gesetzesverstöße zu fahren.

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