Schwedens letztes landbasiertes Casino schließt bis spätestens 1. Januar 2026

  • Schweden schließt landbasierte Casinos bis spätestens 1. Januar 2026
  • Grund: sinkende Besucherzahlen und hohe Verluste
  • Online Casino Umsätze steigen deutlich an
Casino Cosmopol in Stockholm, Schweden.

Das Casino Cosmopol befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude in der Stockholmer Innenstadt. © Tage Olsin/Pexels

Gesetzesbeschluss: Ende für Schwedens stationäre Casinos

Der schwedische Reichstag habe laut der Branchenplattform iGamingBusiness [Link auf Englisch] am 2. April 2025 beschlossen, das landbasierte Casinospiel vollständig abzuschaffen. Damit werde auch das letzte verbliebene physische Casino des Staatsunternehmens Svenska Spel, das Casino Cosmopol in Stockholm, geschlossen – spätestens zum Inkrafttreten der Gesetzesänderung am 1. Januar 2026. Auch Svenska Spel selbst hat dies kommuniziert [Link auf Schwedisch].

Die Gesetzesänderung schließe außerdem die Möglichkeit aus, künftig neue Lizenzen für landbasierte Casinos zu vergeben. Auch andere Anbieter dürften somit in Zukunft keine Spielbank in Schweden betreiben.

Stationäre Casinos chancenlos gegen Online-Konkurrenz

Die Entscheidung sei laut Finanzmarktminister Niklas Wykman auf anhaltende wirtschaftliche Verluste und sinkende Besucherzahlen zurückzuführen. Darüber hinaus sollten staatliche Unternehmen generell keine Spielbanken betreiben, da dies keine politisch bestellte Aufgabe mehr sei, so Wykman in einem früheren Debattenbeitrag.

Die Geschichte von Casino Cosmopol

Die Geschichte von Casino Cosmopol begann in den 1990er-Jahren. Damals entschloss sich Schweden dazu, das Glücksspiel stärker zu regulieren und zugleich ein attraktives Freizeitangebot zu schaffen. 1999 gab die Regierung dann grünes Licht für vier landbasierte Casinos in staatlicher Hand – ein Novum in Skandinavien. Casino Cosmopol wurde schließlich im Jahr 2001 ins Leben gerufen. Insgesamt eröffneten damals vier Standorte: Sundsvall, Malmö, Göteborg und Stockholm.

Betrieben wurde die Marke von Anfang an durch Svenska Spel. Sie orientierte sich bewusst an internationalen Vorbildern: Elegantes Design, Gastronomie auf hohem Niveau und regelmäßige Events. 2003 wurde Casino Cosmopol von der European Casino Association sogar als Best European Casino Operator ausgezeichnet. Auch in der Pokerszene machte sich das Unternehmen einen Namen – etwa durch nationale Turnierserien und Partnerschaften mit internationalen Pokerverbänden.

Die Schließung in Stockholm sei der letzte Schritt eines seit Jahren andauernden Rückzugs: Bereits 2020 sei das Casino in Sundsvall geschlossen worden, im Februar 2024 habe es Göteborg und Malmö getroffen. Grund sei der wachsende Trend zum Online Glücksspiel, der die stationäre Casinobranche in die Krise geführt habe. So sei der Umsatz von Casino Cosmopol im Jahr 2024 auf 165 Millionen SEK (rund 15,14 Millionen EUR) gesunken – ein Rückgang um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Gegensatz zu den schwedischen Casinos stünden deutsche Spielbanken besser da. Diese hätten laut des Statistischen Bundesamts im Jahr 2022 848 Millionen EUR umgesetzt – mit steigender Tendenz.

Statistik zu den Umsätzen deutscher Spielhallen.

Deutsche Spielhallen stehen im Vergleich gut da. © Statista

Im Vergleich dazu habe die Lotterie-Sparte Svenska Spel Tur im selben Zeitraum 5,14 Milliarden SEK (rund 470 Millionen EUR) erwirtschaftet. Des Glücksspiels generell müde seien die Schweden nicht: 3 von 4 Menschen hätten laut der schwedischen Glücksspielaufsicht Spelinspektionen im Jahr 2023 um Geld gespielt.

Betrieb in Stockholm bleibt vorerst bestehen

Bis zur offiziellen Umsetzung des Gesetzes bleibe das Casino in Stockholm geöffnet, solange keine geänderte ägaranvisning – also Eigentümerweisung – der Regierung vorliege. Diese werde voraussichtlich auf der Hauptversammlung von Svenska Spel am 24. April behandelt. Danach solle ein genaues Schließungsdatum kommuniziert werden.

Casino Cosmopol-CEO Ola Enquist habe erklärt, man teile die Einschätzung der Regierung und sei auf das Aus vorbereitet, auch wenn es emotional herausfordernd sei. Der Fokus liege nun darauf, die rund 240 Mitarbeiter zu unterstützen und den Betrieb weiterhin professionell fortzusetzen.

Wir haben Tarifverhandlungen aufgenommen und führen einen Dialog darüber, wie eine Liquidation so gut wie möglich durchgeführt werden kann. Wir möchten unseren Mitarbeitern auch nach der Schließung die Fortsetzung ihres Berufslebens ermöglichen.”Ola Enquist, CEO des Casino Cosmopol, iGamingBusiness

Für Kunden interessant ist die Aussage, dass es auch nach der Schließung möglich sein werde, Spielmarken und Tickets einzulösen sowie ausstehende Jackpots auszuzahlen. Auch die Casino Restaurants sollen bis zur endgültigen Schließung regulär geöffnet bleiben.

Kritik der Aufsichtsbehörde und Verkauf der Immobilie

Kritik an der Schließung sei von der Spelinspektionen und der Polizei gekommen. Sie hätten vor einem möglichen Anstieg illegaler Glücksspiele nach dem Wegfall der legalen Alternativen gewarnt und zusätzliche Mittel zur Bekämpfung solcher Aktivitäten gefordert.

Ferner habe sich die Frage nach der Zukunft des Gebäudes gestellt, in dem sich die Spielbank befinde. Dabei handle es sich um eine denkmalgeschützte Immobilie im Zentrum von Stockholm. Svenska Spel plane demnach, das Gebäude nach der Schließung zu verkaufen – eine entsprechende Verkaufsstrategie werde derzeit vorbereitet.

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