Schleswig-Holstein plant Verkauf von staatlichen Casinos: Ist die Privatisierung des Glücksspiels sinnvoll?

Die Landesregierung Schleswig-Holsteins plant den Verkauf der vier staatlichen Spielbanken in Schenefeld, Lübeck, Kiel und Flensburg – ein Vorhaben, das auf gemischte Reaktionen stößt. Während sich Befürworter von der Privatisierung finanzielle Vorteile versprechen, warnen Kritiker vor Risiken für den Spielerschutz und die langfristigen Einnahmen des Landes.

Roulettekessel mit Wappen von Schleswig Holstein

Schleswig-Holstein plant den Verkauf der vier staatlichen Casinos an Privatunternehmen (Symbolbild). © Anna Shvets/pexels.com

Wirtschaftliche Interessen vor Spielerschutz?

Schleswig-Holstein betreibt derzeit vier Spielbanken, die dem Land kontinuierliche Einnahmen bringen. Durch den Verkauf, der schon seit Jahren diskutiert wird, erhoffe sich die Regierung schnelle Einnahmen und weniger Verwaltungsaufwand, wie in den Kieler Nachrichten zu lesen ist.

Erfahrungen aus anderen Bundesländern hätten jedoch gezeigt, dass der Übergang in private Hände nicht immer reibungslos verlaufe. Jüngst habe es viel Widerstand gegen die Übernahme der Spielbanken in Niedersachsen durch die Merkur Group gegeben. Der Fall musste letztendlich vor Gericht geklärt werden.

Ein weiterer Vorwurf: Spielsuchtprävention und soziale Verantwortung könnten bei einer Privatisierung der Spielbanken hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen. Anlass zur Sorge sei vor allem dann gegeben, wenn die Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holsteins nicht mehr in die Schulung des Personals einbezogen würde.

Schleswig-Holstein privatisiert auch Online Casinos

Neben Bayern und Baden-Württemberg hat Schleswig-Holstein Online Casinos legalisiert. Obwohl der bundesweit gültige Glücksspielstaatsvertrag Tischspiele (z.B. Blackjack oder Roulette) im Internet ausschließt, dürfen die Bundesländer regional gültige Ausnahmen veranlassen.

Während in Bayern und Baden-Württemberg die Kontrolle über das Online-Geschäft monopolistisch staatlichen Glücksspielunternehmen erteilt wurde, hat sich Schleswig-Holstein für ein Lizenzmodell entschieden. Die vier Lizenzen seien in kürzester Zeit bereits an privatwirtschaftliche Unternehmen vergeben worden, die teilweise ihren Sitz auf Malta hätten.

Langfristige wirtschaftliche Perspektive unklar

Selbst ohne die konkreten Zahlen zu kennen, könnte es Zweifel daran geben, ob der Verkauf langfristig finanziell sinnvoll sei. Zwar könnten hohe einmalige Einnahmen erzielt werden, doch die regelmäßigen Erträge, welche die Spielbanken in staatlicher Hand erwirtschaften, würden entfallen.

Allerdings ist davon auszugehen, dass das Land Schleswig-Holstein über die Spielbankabgabe und weitere Steuern dennoch weiterhin finanziell am Casino-Betrieb profitieren dürfte. Ob der Staat in Zukunft zumindest als passiver Teilhaber beteiligt bleiben könnte, scheint ebenfalls noch nicht geklärt zu sein.

Man darf gespannt sein, wie sich die Glücksspielbranche in Schleswig-Holstein in der nächsten Zeit verändern wird und wie die langfristige Evaluierung der Entscheidung ausfällt.

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