Casinos Austria kritisieren höhere Steuern: Könnte zudem das Glücksspiel-Monopol fallen?
Die Glücksspielbranche in Österreich könnte aufgrund einer auf Bundesebene geplanten Steuerreform in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Branchenvertreter schlagen Alarm, weil die höheren Abgaben den Großteil des Gewinns verzehren könnten. Noch härter könnte die aktuellen Monopolisten eine Liberalisierung des Marktes treffen.
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Christian Stocker (ÖVP) wird voraussichtlich neuer Bundeskanzler Österreichs und könnte das Glücksspiel reformieren. © Parlamentsdirektion/Arman Rastegar
Monopolisten wenden sich an Politik
Die Casinos Austria AG und die Österreichische Lotterien Unternehmensgruppe haben in einem Brief vor massiven finanziellen Belastungen gewarnt, die wegen einer möglichen Steuererhöhung drohen, wie in der österreichischen Online-Zeitung oe24.at zu lesen ist.
Der Brief sei an die Parteien ÖVP und SPÖ gerichtet, die sich derzeit in fortgeschrittenen Koalitionsverhandlungen mit der Partei Neos befinden. Teil der Verhandlungen sei eine Reform verschiedener Steuern, wozu auch die Glücksspielabgabe zähle.
Die Führung von Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien Unternehmensgruppe habe errechnet, dass die mutmaßliche Steuererhöhung die Glücksspiel-Firmen jährlich mehr als 100 Millionen Euro kosten könnte. Dies stelle ein existenzbedrohendes Szenario dar und könnte dazu führen, dass bis zu 40 % der Standorte geschlossen werden müssten – inklusive des Verlustes von “Hunderten Arbeitsplätzen”.
Im Jahr 2023 habe das Unternehmen 724 Millionen Euro an Steuern und Abgaben gezahlt, während das Konzernergebnis bei knapp 183 Millionen Euro gelegen habe. Eine drastische Erhöhung der Abgaben stelle ein unnötiges Risiko dar – zumal der Staat auch direkt über eine Beteiligung an der Casinos Austria AG am Erfolg der Firma partizipiere.
Die verwirrende Glücksspiel-Situation in Österreich
Schon seit langer Zeit wird in Österreich eine generelle Reform des Glücksspiels gefordert. Experten und Branchenvertreter kritisieren, dass weiterhin an einem Monopol festgehalten werde, während in fast allen anderen europäischen Ländern der Markt für private Anbieter geöffnet wurde.
Zudem wird kritisiert, dass Sportwetten in Österreich nicht als Glücksspiel gelten, sondern als Geschicklichkeitsspiel eingestuft werden. Dadurch fallen sie einerseits nicht unter das Glücksspielmonopol und sorgen andererseits für geringere Steuereinnahmen. Auch der Spielerschutz sei Experten zufolge gefährdet.
Anders als in Deutschland, wo der Schwarzmarkt für Glücksspiel ebenfalls einen hohen Anteil am Gesamtvolumen hat, profitiert der österreichische Fiskus jedoch vom Spiel im unregulierten Graubereich. Viele Online Casinos ohne Lizenz in Österreich entrichten pflichtbewusst ihre Abgaben und scheinen darauf zu hoffen, deshalb geduldet zu werden.
Läutet der Koalitionsvertrag das Ende des Glücksspielmonopols ein?
Unter der alten Regierung aus ÖVP und Grünen galt eine Glücksspielreform als unrealistisch. Zwar sei ein Gesetzesentwurf schon ausgearbeitet worden, aber eine Einigung hätte nicht erzielt werden können. Die ÖVP sei in der Vergangenheit von allen Parteien am wenigsten zu Veränderungen bereit gewesen.
Noch gibt es keinen endgültigen Koalitionsvertrag und ob ein Ende des Glücksspielmonopols darin thematisiert werden könnte, scheint noch unklar zu sein. Allerdings deutet die Anpassung des Steuersystems zumindest darauf hin, dass die Parteien dem Glücksspiel mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen wollen.
Man darf gespannt sein, ob die Steuerreform im Glücksspiel wirklich durchgesetzt wird und ob vielleicht sogar perspektivisch das Glücksspielmonopol aufgelöst werden könnte. Für die Casinos Austria AG und die Österreichische Lotterien Unternehmensgruppe scheinen herausfordernde Zeiten anzubrechen.